Gastbeitrag von

Jens Brüggemann

Lichtführung - hartes Porträtlicht, © Jens Brüggemann
© Jens Brüggemann

Ein neuer Gastbeitrag von Profifotograf Jens Brüggemann, der bei der Photo+Adventure im Juni auch wieder als Referent mit dabei ist!

Er erklärt euch heute den Einsatz des sogenannten Marlene-Dietrich-Lichts, einem harten Porträtlicht.

Lichtführung: Hartes Porträtlicht von oben („Marlene-Dietrich-Licht“) von Jens Brüggemann

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Lichtführung - hartes Porträtlicht, © Jens Brüggemann

Das „Marlene-Dietrich-Licht“ ist ein hartes, frontal eingesetztes Porträtlicht, das von oben kommend auf das Gesicht des Models gerichtet ist. Die Lichtposition (/-höhe) kann da schon gerne mal (bei einem stehenden Model) bis zu 3 Meter betragen (also ist ein Stativ, das lang ausgefahren werden kann, dafür notwendig). Dieses Licht ist auch unter dem Namen „hochfrontales Licht“ oder „Butterfly-Licht“ bekannt. Der Name „Marlene-Dietrich-Licht“ rührt daher, dass für die Schauspielerin das Licht nur von oben kommen durfte, damit ihre Wangen schmaler erscheinen.

Dieses Porträtlicht ist allerdings nur dann wirkungsvoll wenn das Model (oder die Schauspielerin)

  1. ausgeprägte Wangenknochen hat und
  2. sehr gut und kräftig geschminkt ist.

Insbesondere der zweite Punkt ist wichtig, denn das Licht, zwar frontal eingesetzt, hat aus dieser hohen Position fast schon wieder den Charakter von Streiflicht. Dies wird klar, wenn man den Lichteinfallswinkel zur Kameraposition misst. Dieser dürfte in etwa zwischen 70° – 80° Grad liegen. (Und bei 90° hätten wir, per Definition, bereits echtes Streiflicht.) Hervorstehende Pickel oder umgekehrt Hautvertiefungen und sonstige Makel würden so durch die Licht-Schattenwirkung hervorgehoben. Deshalb ist beim Schminken eine gründliche Grundierung (mit anschließend aufgetragenem kräftigen Make up) empfehlenswert.

Wie man bei den Fotos gut erkennen kann, wird eine schöne symmetrische Gesichtsform bei diesem Licht sehr attraktiv betont. Die langen Wimpern des Models kommen ebenfalls gut zur Geltung. Die Lippen wirken sehr plastisch, was am hohen Einfallswinkel des Lichts liegt, denn so eingesetzt wirft es einen kurzen harten Schatten (nicht nur unter den Lippen, sondern auch unter der Nase und unter den Augenbrauen).

Die Augen liegen bei dieser Beleuchtung nicht selten dunkel im Schatten, was den Blick geheimnisvoll wirken lässt. Wünscht ihr hingegen einen Lichtglanz in den Augen oder beleuchtetes Augenweiß, so muss euer Model ein wenig den Kopf anheben und nach oben schauen (siehe Foto links unten).

Als Lichtquelle absolut empfehlenswert hierfür sind Fresnelllinsen-Spots (bei einer engen Fokussierung, Bild links). Aber auch Normalreflektoren (mit engen Wabengittern bestückt, Bild rechts) können gut verwendet werden.

Lichtführung - hartes Porträtlicht, © Jens Brüggemann

Für dieses Hauptlicht benötigt ihr keine Aufheller oder Aufhell-Blitze, denn dies würde den Lichtcharakter zumindest teilweise zerstören. Allerdings sind Effektlichter für den Hintergrund oder zur Beleuchtung des Hintergrundes durchaus angezeigt, wie die nebenstehenden Fotos von Bild 1 beweisen. Neben dem Lichtverlauf, den ich auf die Wand im Hintergrund geblitzt habe, habe ich auch noch ein Gegenlicht eingesetzt, das nicht nur für Haarlicht gesorgt hat sondern auch die Aufgabe hatte, die Fotos stimmungsvoller und interessanter zu machen (siehe Bild 4, Beleuchtungsaufbau).

Fazit: Für Models mit toller Gesichtsform, hohen Wangenknochen, langen Wimpern und vollen Lippen ist das „Marlene-Dietrich-Licht“ („hochfrontales Licht“) ideal um ausdrucksstarke, geheimnisvolle Beauty-Porträts zu erzielen. Schlecht geschminkte Models oder solche mit Hautunreinheiten sollten diese Beleuchtung hingegen meiden.

Technik (4 Porträts): Nikon D5 mit Nikkor 1,4/105mm. 1/200 Sek., Blende 11, ISO 100.

Hinweis in eigener Sache: Wenn du mehr über Lichtführung und Beauty-Fotografie lernen möchtest, empfehlen wir dir den Besuch der Workshops von Jens Brüggemann während der Photo+Adventure im Juni. Am Sonntagmorgen (10.06.) geht es in seinem Workshop „Professionelle Beleuchtungstechnik drinnen und draußen“ um die richtige Lichtsetzung, am Nachmittag dann widmet sich Jens der „Beauty-Porträtfotografie“.

Wie immer gilt: wer einen Workshop bucht, bekommt von uns ein kostenloses Messeticket dazu.

Jens Brüggemann, © Hodzig/Brüggemann
© Hodzig/Brüggemann

Jens Brüggeman

Werbefotograf

(*10.03.1968) ist, nachdem er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an der Ruhr-Universität Bochum absolviert hat (Studienabschluss: Dipl. Ökonom), seit 1998 als Werbefotograf selbständig. Schwerpunkte seiner fotografischen Tätigkeit sind: Beauty – Fashion – Erotic – People – Kids – Stills – Industry. Zusätzlich veranstaltet er regelmäßig Workshops und Seminare im In- und Ausland. Außerdem ist er als Berater und Dozent für führende Firmen aus der Fotoindustrie tätig. Er hat mehrere Fotolehrbücher geschrieben (u.a. „Modelfotografie“, mitp Verlag, 2013) und gibt seine Kenntnisse auch in Artikeln in Fototfachzeitschriften weiter. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und zeigt seine Bilder regelmäßig in Ausstellungen.

Website: www.jensbrueggemann.de

 

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