Gastbeitrag von

Jens Brüggemann

Kinder fotografieren, © Jens Brüggemann
© Jens Brüggemann

Bewegung - das ist es, was die meisten Kinder lieben. Hüpfen, toben, springen... aber wie gelingt bei all der Zappelei das perfekte Foto?

Der Profifotograf und Referent der Photo+Adventure, Jens Brüggemann, gibt euch in seinem Gastbeitrag im Blog ein paar Tipps, um Kinder gekonnt in Bewegung zu fotografieren.

Kinder fotografieren: am besten in Bewegung – von Jens Brüggemann

/ / P+A-Blog
Kinder fotografieren, © Jens Brüggemann

Springen, Hüpfen, Laufen, Herumtollen, Bewegung, Toben, Action,…

Kinder brauchen Bewegung! Ihr Bewegungsdrang ist enorm, das müsst ihr bei eurer Planung fürs Kinder-Fotoshooting mit den Mini-Models unbedingt berücksichtigen, damit die Aufnahmen ein Erfolg werden.

Wer kann sich nicht daran erinnern, wie schwer es uns in der Kindheit fiel, bei den verschiedensten Veranstaltungen still sitzen zu müssen – wo es doch so viele Gelegenheiten gegeben hätte um herumzutollen. Ob das beim Arzt war oder im Restaurant, beim TV-Konsum oder in der Kirche, beim Frisör oder in der Schule, immer mussten wir still sitzen bleiben (und wir verstanden nicht warum…).

Wenn ihr also statt „gelangweilter“ und „genervter“ Gesichter lieber fröhliche Kinder fotografieren wollt, dann ermöglicht eurem Kindermodel sich ein wenig zu bewegen, zu toben oder herumzutollen.

Kinder fotografieren, © Jens Brüggemann

Die Schwierigkeit, Kinder in Bewegung zu fotografieren, liegt vor allem in der Unberechenbarkeit der Bewegungen der Kleinen. Wo genau werden sie lang laufen? Für euch als Fotografen bedeutet das, dass ihr Probleme beim Scharfstellen haben werdet, weshalb der Schärfentiefebereich für eure Aufnahmen nicht zu klein gewählt werden sollte. Ganz offenblendig zu fotografieren ist „mutig“, denn die Erfolgsaussichten bei einer ganz kleinen Schärfentiefe noch scharfe Fotos zu bekommen sind gering.

Die zweite Schwierigkeit ist die Bewegung eures Models mit Hilfe einer kurzen Verschlusszeit einzufrieren. In Innenräumen kommt ihr da schon mal an Grenzen, wenn das vorhandene Licht nicht ausreicht, um die Blende zum Beispiel auf 5,6 oder 8 zu schließen und die Verschlusszeit auf eine kurze 1/250 Sekunde einzustellen. Schließlich wollt ihr immer noch eine gute Bildqualität erzielen und deshalb den ISO-Wert nicht beliebig hoch wählen.

Die Verwendung eines Aufsteckblitzes oder einer Blitzanlage hilft, das Lichtproblem in den Griff zu bekommen, denn Blitze liefern ausreichend Helligkeit und frieren zudem die Bewegungen des Kindes ein. Wichtig ist dabei allerdings, dass ein oder mehrere Blitze so platziert werden, dass Bewegungen des Kindes nicht zu sehr für unterschiedliche Helligkeiten (hervorgerufen durch Abstandsänderungen des Models zu den Blitzen, wenn nicht im TTL-Modus fotografiert wird) sorgen.
Empfehlenswert ist daher, vorher in irgendeiner Form den Bereich fest zu legen, in dem euer Mini-Model sich bewegt.

Kinder fotografieren, © Jens Brüggemann

Bei Bild 1 war das einfach: Maja (zuerst sitzend auf der Armlehne des Sofas) ließ sich einfach mit Schwung nach hinten fallen und veränderte ihren Abstand zu mir nicht. Auch bei den Aufnahmen die zu Bild 2 führten war das einfach, denn das Mädchen sprang die ganze Zeit auf meiner weißen Ledercouch wie auf einem Trampolin, womit der Abstand zu mir gleich blieb (was zum Scharfstellen optimal war).

Verwendet, wenn ihr die Kleinen fotografiert, am besten einen größeren Bildausschnitt, denn die Kids, erst einmal in Bewegung, werden raumgreifend herumtoben (Bild 2).

Kinder fotografieren, © Jens Brüggemann

Und selbst wenn ihr „einfache“ Porträtfotos schießt, kann etwas Bewegung beim Posing den Spaßfaktor für euer Kindermodel erhöhen. Bei Bild 3 animierte ich die Kleine, ihre Haare fliegen zu lassen, was sofort für gute Laune sorgte.

Fazit: Wenn ihr fröhliche, begeisterte Kinder fotografieren möchtet, so überlegt euch eine Bild-Idee, bei der der Nachwuchs ein wenig herumtollen kann. Wenn Kinder in Bewegung sind ist gute Laune eigentlich immer garantiert (außer natürlich bei langweiligen Spaziergängen mit den Eltern, das macht meist keinen Spaß).
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Technik: Bild 1: Nikon D5 mit Nikkor 1,4/105mm. 1/160 Sek., Blende 4,0, ISO 400. Bild 2: Nikon D5 mit Nikkor 1,4/105mm. 1/160 Sek., Blende 4,0, ISO 400. Bild 3: Nikon D5 mit Nikkor 1,4/105mm. 1/160 Sek., Blende 2,8, ISO 320.

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Hinweis: Wer von Jens lernen möchte, wie man Kinder in Bewegung fotografiert, der findet bei der Photo+Adventure im Juni genau den richtigen Kurs. Im Workshop „Kinder fotografieren“ steht ein Kindermodell zur Verfügung, es kann aber auch das eigene Kind mitgebracht und fotografiert werden, sofern es mindestens 4 Jahre alt ist. Wie wäre es?

Jens Brüggemann, © Hodzig/Brüggemann
© Hodzig/Brüggemann

Jens Brüggemann

Werbefotograf

(*10.03.1968) ist, nachdem er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an der Ruhr-Universität Bochum absolviert hat (Studienabschluss: Dipl. Ökonom), seit 1998 als Werbefotograf selbständig. Schwerpunkte seiner fotografischen Tätigkeit sind: Beauty – Fashion – Erotic – People – Kids – Stills – Industry. Zusätzlich veranstaltet er regelmäßig Workshops und Seminare im In- und Ausland. Außerdem ist er als Berater und Dozent für führende Firmen aus der Fotoindustrie tätig. Er hat mehrere Fotolehrbücher geschrieben (u.a. „Modelfotografie“, mitp Verlag, 2013) und gibt seine Kenntnisse auch in Artikeln in Fototfachzeitschriften weiter. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und zeigt seine Bilder regelmäßig in Ausstellungen.

Website: www.jensbrueggemann.de

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