#damalsundheute-Bilder sind ein beliebter Internet-Trend geworden. Auch die Stadt Duisburg greift ihn jetzt auf. Wie kam es dazu?

Fotos: Stadt Duisburg/Bernd Obermann

#damalsundheute – Einem Internet-Trend auf der Spur

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Das Beste an Duisburg

„Das Beste an Duisburg sind die Duisburger“ – so lautet der Slogan der aktuellen Werbekampagne der Stadt Duisburg. Dem kann ich, immerhin seit 15 Jahren selbst hier beheimatet, natürlich nur zustimmen. Doch hier soll es heute nicht um Selbstbeweihräucherung gehen, sondern um die Motive, mit denen die Stadt die Plakate ihrer Imagekampagne bebildert hat – und um den zugehörigen Internet-Trend. Zu sehen sind etwa Bernd und Myriam beim gemeinsamen Zoobesuch, Denise auf ihrem Fahrrad am König-Heinrich-Platz oder Thorsten am MSV-Stadion. Und zwar jeweils doppelt.

Was hat sich verändert – und was nicht?

Je ein kleines Foto öffnet ein Fenster in die Vergangenheit, zeigt etwa wie Ralf als junger Steppke am Bahnhofsplatz posierte. Groß daneben posiert Ralf erneut an gleicher Stelle, allerdings im Jahr 2017. Erstaunt stellt man fest, was sich in den vergangenen Jahren so alles verändert hat. Das Blumenbeet ist verschwunden, statt auf seiner Einfriedung steht Ralf auf einer Bank und nicht zuletzt ist auch Ralf kaum wieder zu erkennen. Ebenso erstaunlich ist aber auch, was sich alles nicht verändert hat. Das Bahnhofsgebäude gehört dazu – und Ralf beherrscht auch Jahrzehnte später das Posieren noch immer.

Auf die Idee zu dieser spannenden Kampagne, die nun mit den neuen Motiven bereits in die zweite Runde geht, wurden die Verantwortlichen der Stadt durch ihre Bürger selbst gebracht. Als man im Rahmen der Vorgänger-Aktion „Ihre Ideen, Unsere Stadt“ beschloss, die Duisburger Bürger mit ins Boot zu holen, ließen die Teilnehmer durchblicken, dass sie gerne in der Stadt leben, mit ihren Nachbarn, Freunden und auch Arbeitskollegen. „Diese schöne Erkenntnis wollen wir nun aufgreifen und im Rahmen der Fotokampagne die Menschen mit ihren Lieblingsorten und Geschichten dazu zeigen“, erklärt Ute Schramke aus der Stabsstelle Strategisches Marketing der Stadt.

Schimanski ist für Duisburger eine Pflichtveranstaltung

Für das Nachstellen der historischen Fotos wurde Bernd Obermann engagiert. Der lebt zwar heute in Düsseldorf, kennt Duisburg aber selbst aus Kindertagen. Bevor er für große Magazine und Zeitungen wie Stern, Spiegel und New York Times die Welt bereiste und fotografierte, ist er in Homberg aufgewachsen. Teile seiner Familie leben noch heute hier. Er freute sich, „wieder im Pott zu sein“. Und er staunte, wie sich Duisburg gewandelt habe: „Es ist bemerkenswert, wie schön etwa die Innenstadt geworden ist und wie sich der Hafen verändert hat“, konstatiert der Fotograf im Telefon-Interview. Seine alte Heimat habe er aber übrigens durchaus auch in der Ferne erleben können: „Als ich in New York gelebt habe, hat das Goethe-Institut dort immer wieder Schimanski-Filme gezeigt.“ Das sei für ihn stets ein Pflichttermin gewesen, bekennt er schmunzelnd.

„Das Beste an Duisburg sind die Duisburger“ – das kann auch Obermann unterschreiben. Die Teilnehmer an der Fotoaktion beschreibt er als sehr offen und umgänglich. „Das findet man so nur im Ruhrgebiet.“ Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Shootings mit Katrin an der Regattabahn sowie mit Bernd und Myriam im Zoo. „Das hat richtig Spaß gemacht“, schwärmt er.

Chris Porsz und Irina Werning gelten als Eltern des Foto-Trends

Vielleicht liegt das aber nicht allein an den Duisburgern, sondern auch an der Idee an sich. Den Spaß kann man schließlich auch den vielen Menschen ansehen, die Bilder aus der Kindheit nachstellen, und diese dann in diversen sozialen Medien verbreiten. Auch zur Geschichte dieses Trends kann mir Bernd Obermann Erhellendes vermitteln: Er nennt Chris Porsz aus Petersborough als mutmaßlichen Vater des Hypes. Amateurfotograf Porsz hatte in den späten 70er- und frühen 80er Jahren mit seiner Kodak Instamatic Leute in seiner Heimatstadt fotografiert. Als ihm rund 30 Jahre später die schon vergilbten Fotos in einem Album in die Hände fielen, stellte er sich die Frage, wie die Leute wohl heute aussehen und fasste den Plan, sie ausfindig zu machen. Bei vielen ist es ihm dies tatsächlich gelungen. Die Werke hat er in seinem Fotoband „Reunions“ veröffentlicht. Einige davon zeigt dieser Beitrag auf Spiegel Online, der auch noch mehr zu den Hintergründen von Porsz´ Fotos erzählt.

Wenn Chris Porsz der Vater des Social-Media-Trends ist, so ist wohl Irina Werning als seine Mutter zu nennen. 2010 startete die argentinische Fotografin ihr Projekt „Back to the Future“, das 2011 noch eine Fortsetzung nach sich zog. Noch akribischer als Porsz bemühte sie sich darum, die Situationen auf den historischen Bildern exakt nachzustellen. Perspektive, Gestik, Mimik, ja selbst Kleidung, Accessoires und der Hintergrund sollten mit der Originalvorlage identisch sein. Entstanden sind herrlich verrückte Bilder, für die Werning 2012 mit dem Sony World Photo Award ausgezeichnet wurde. Ihr könnt die Fotos aus den beiden Projekten hier (Back to the Future) und hier (Back to the Future 2) sehen.

#damalsundheute und #methenmenow

Und was viele andere gemacht haben, das findet ihr überall im Internet, etwa in der Flickr-Fotogruppe „me then me now“ oder auf imgur. Wer danach noch nicht genug hat, durchstöbert  Instagram & Co. nach den Hashtags #damalsundheute oder #methenmenow. Nur mit #backtothefuture kommt ihr nicht allzu weit – damit findet ihr vor allem Michael J. Fox und den DeLorian.

Auch ich habe mich übrigens in diesem Jahr anstecken lassen und selbst für ein #damalsundheute-Bild posiert. Das passierte eher zufällig, im Urlaub auf Teneriffa. Hier spazierte ich mit meiner Familie an der Strandpromenade von Playa de las Américas entlang, als uns auffiel, dass wir an der gleichen Stelle auch schon vor 11 Jahren gewesen waren. Ein perfektes „Werning“-Bild ist es zwar nicht geworden, aber trotzdem hatten wir viel Spaß dabei. Lange Rede, kurzer Sinn – zum Abschluss möchte ich euch natürlich auch mein persönliches #damalsundheute-Foto nicht vorenthalten:

Und wie ist das mit euch? Habt ihr auch schon Fotos aus alten Zeiten nachgestellt? Welche Hashtags könnt ihr noch empfehlen? Und wie gefällt euch die Kampagne „Das Beste an Duisburg sind die Duisburger“? Postet eure Bilder, Ideen und Meinungen doch in unserem Facebook-Post zu diesem Blog-Beitrag.

 

Der Autor

Christian Thomas

Christian Thomas

Geschäftsführung, Messeleitung

Dipl. Ökonom, Nachteule

Made in Adelaide… aber geboren im Ruhrgebiet! Chris liebt Australien, seine Familie und Squash mit seinem besten Kumpel, wobei es dabei vor allem darum geht, dem anderen möglichst viele blaue Flecken zu verpassen. Mit sportlichem Ehrgeiz und einem sehr trockenen Humor sowie herausragenden mathematischen Kenntnissen gibt diese eher ruhige Nachteule dem Team eine ganz besondere Note. Chris ist jederzeit für ein BBQ zu haben und zockt extrem gerne Doppelkopf.

Zuständig für: PR, Grafik, Finanzen

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