Slide Fotografie. Reise. Outdoor. Landschaftspark Duisburg, 13. + 14. Mai 2023
AlUla, Partnerland der Photo+Adventure 2022

Am vierten Tag in AlUla erwartet uns noch mehr Wüste und Natur in einem Naturreservat, wir lernen, wie man Lehmziegel erstellt und Wände damit mauert und verputzt, erleben den Sonnenuntergang über AlUla und genießen ein tolles Abendessen auf dem Dach von Maraya.

AlUla – Eindrücke und Erlebnisse (Teil 3)

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AlUla, Partnerland der Photo+Adventure 2022

Unser vierter Tag startet mit einem Besuch im Sharaan Nature Reserve um 8 Uhr morgens. Das Reservat ist 1500 m² groß und hier wird der Schutz der Natur besonders groß geschrieben. Es beherbergt neben einigen Vogelarten auch arabische Wölfe und Gazellen, besonders stolz sind unsere Ranger auf das Wiederansiedlungsprojekt der Ibex Gazellen, die wir heute hoffentlich zu sehen bekommen.

Um das Reservat zu erkunden, steigen wir in die Fahrzeuge der Ranger dort um, von denen leider nur einer ein bisschen Englisch spricht. Dafür aber ist er ganz redselig und will vor allem wissen, wie es uns in AlUla gefällt. Als ich sage, dass ich gerne wieder kommen würde, bietet er mir quasi direkt das Apartment seines Freundes an, das über zwei Schlafzimmer und zwei Badezimmer verfügt und das dieser z.B. an Touristen vermietet. In AlUla scheint sich also auch bei der Möglichkeit, Privatunterkünfte zu mieten, einiges zu tun.

Durch das Reservat führen unbefestigte Pisten und wir machen uns auf, die Natur zu erkunden. Viele Tiere sehen wir nicht, so viel schon mal vorab. Wir hören ein paar Vögel (vor allem Krähen) und sehen immer wieder einige Käfer über den Boden krabbeln, wenn wir gerade einen Stopp einlegen. Immer wieder halten wir an, weil die Landschaft so grandios ist und wir aus dem Auto springen, um den Verschluss der Kamera klicken zu lassen. An einigen Stellen ist der Boden steinhart und ausgedörrt mit den typischen Trockenrissen. An anderen Stellen ist es sandig bis so pudrig feinsanding, dass sich dieser feine Staub überall absetzt. Immer wieder müssen wir das Objektiv putzen, aber trotzdem schleichen sich Staubpartikel auf die Linsen. Die Szenerie ist mal wieder vielfältig ockerfarben („50 Shades of Ocker“), dazu der blaue Himmel, der einen wunderbaren Farbkontrast darstellt. Wir sind im Fotografenhimmel – erst recht als unsere Guides mit uns durch einen schmalen Canyon fahren, durch den die Autos gerade so durchpassen. Da fahren wir dann auch gleich zweimal durch, es muss ja alles noch einmal perfekt für die Nachwelt festgehalten werden!

Im Reservat stoßen wir wieder auf uralte Felszeichnungen, die uns bewusst machen, wie lange diese Gegend schon besiedelt ist. Mit Sicherheit wäre es sehr spannend, sich hier überall in Ruhe umsehen und fotografieren zu können. Leider ist unsere Tour nach Saudi-Arabien insgesamt so kurz, dass uns nicht die Zeit bleibt, einzelne Locations noch einmal zu perfekten Tageszeiten zu besuchen, oder hier im Reservat mehr Zeit zu verbringen. 3-4 Stunden lang fahren wir kreuz und quer umher, immer auf der Suche nach den Ibex Gazellen. Mehr als ihre recht frischen Fährten und den Anblick der Ecke, wo sie sich gestern noch aufgehalten haben, bekommen wir aber nicht zu sehen. Ich stelle irgendwann die Frage, wie viele Ibex-Gazellen sie denn haben und bekomme die überraschende Antwort: 4. Naja, auf 1500 m² 4 Gazellen in knapp 4 Stunden zu finden, da weiß der Naturfotograf in mir, dass das schon außergewöhnliches Glück sein muss! Wir haben es heute jedenfalls nicht, aber sind deswegen nicht traurig, die Landschaft ist einfach grandios. Nach einem arabischen Kaffee zum Abschied geht es für uns dann schon wieder weiter.

Mittag essen wir in der Altstadt von AlUla und Suleyman bestellt mal wieder viel zu viel für uns alle von der Speisekarte, die viele lokale Spezialitäten enthält. Daher lässt er gleich ein paar Gerichte einpacken, um sie an Bedürftige (oder die Kollegen im Büro?) weiterzugeben. Er erzählt uns, dass in allen Restaurants abends die Reste des Tages abgeholt und an Menschen verteilt werden, die sich dies nicht leisten können. Super Lösung, die gleich unser schlechtes Gewissen erleichtert, weil wir nicht alles aufessen können. Dass es wieder unglaublich lecker war, muss ich nicht extra erwähnen. 😉

Am frühen Nachmittag ist Arbeit für uns angesagt. In der Oase, wo es ja wie bereits erwähnt viele alte Mauern und Überreste früherer Besiedlung gibt, sollen wir lernen, wie man Lehmziegel herstellt und die Mauern repariert. Das ist ein ebenfalls relativ neues Angebot in AlUla, bei dem Touristen nicht nur uraltes Wissen vermittelt bekommen, sondern auch dazu beitragen, die Siedlungsüberreste wieder aufzubauen und neue Anlaufstellen zu schaffen. Natürlich nicht überall, denn die meisten Restaurationen bleiben den Profis überlassen. Schließlich soll vieles in AlUla zukünftig ebenfalls noch wichtige Kulturstätte und gerne Weltkulturerbe werden, da dürfen wir „Pfuscher“ nicht ran. 😉 Schnell ist klar, dass wir nicht alle im Lehm matschen können, mindestens einer muss ja dokumentieren, was wir tun. Pavel meldet sich „freiwillig“ für die Dokumentation, Julia, Miho und ich dürfen matschen. Wobei Miho später erst zu seinem Glück von uns Frauen gezwungen wird, denn zunächst legt er die Kamera nicht aus den Händen. Der Lehm für die „Bauarbeiten“ stammt aus der Umgebung und wird über einige Tage hinweg mit Wasser vermischt und immer wieder traditionell mit den Füßen durchgeknetet. Hat er dann die richtige Konsistenz, werden kleine Portionen mit Stroh und etwas Wasser vermischt und in vorher gut angefeuchtete Holzformen für die Ziegel umgefüllt. Am Ende streicht man alles oben mit noch etwas Wasser glatt, verdichtet das ganze durch Schütteln und zieht die Ziegelform nach oben weg. Fertig ist der perfekte Ziegel, den wir noch mit einem Stock beschriften dürfen (was man später nicht sehen wird, da wir erstens die Oberseite des Ziegels beschriften und zweitens die Mauer hinterher noch „verputzt“ wird – nett ist es trotzdem zu wissen, dass irgendwo später ein Ziegel mit P+A in der Mauer eingebaut wird). Diese Ziegel müssen nun mehrere Tage bis Wochen in der Sonne trocknen.

Nun geht es an die Mauer, wo wir lernen, dass aus der gleichen, dieses Mal nur leicht feuchter angerührten Mischung der Mörtel entsteht. Diesen klatschen wir auf einen angefangenen Mauerteil, richten darauf einen bereits getrockneten Ziegel aus und verputzen das ganze. Es ist ein bisschen wie Kuchen backen und Torten schichten: im Lehmteig herum matschen und dann alles perfekt ausrichten. Ich glaube, Julia und ich schlagen uns ganz ordentlich. Miho und Pavel filmen alles weiterhin, aber für den dritten Teil zwingen wir „erschöpften“ Damen Miho zum Mitmachen. Die Mauer ein Stück weiter ist nämlich bereits durchgetrocknet und nun muss sie mit der nochmal flüssigeren Mischung verputzt werden. Alles ist Handarbeit und wird es auch bleiben, schließlich soll in diesem Teil alles fachgerecht und ursprünglich restauriert werden. Die Wände müssen übrigens regelmäßig alle paar Jahre wieder verputzt werden, damit keine Schäden entstehen. Es bilden sich schnell mal Risse und man kann sich vorstellen, dass ein ordentlicher Regenschauer Wände durchweichen und Teile des Putzes wegspülen kann. Regen hat es übrigens im letzten Jahr hier einigen gegeben, Suleyman hat uns Fotos gezeigt, auf denen die Wüste voll erblüht ist. Dieses Jahr ist dagegen bisher sehr trocken.

Als letzter Schritt kommt nun der eigentlich erste Schritt dran: Wir dürfen mit den Füßen den Lehm kneten. Julia und ich sind sofort Feuer und Flamme, ziehen die Schuhe aus und begeben uns in den Matsch. Es ist ein bisschen wie das Zermatschen von Weintrauben zur Weinlese (nein, das habe ich noch nicht ausprobiert!) oder aber das Waten durch den Schlick im Wattenmeer (darin habe ich einige Erfahrung!). Anstrengend, aber lustig! Aus offensichtlichen Gründen habe ich keine eigenen Fotos, bin mir aber sicher, Pavel und Miho werden diesen Teil der Frauenarbeit in der Multivision am Samstag Abend zeigen. 😉

Nach dem Abspülen der Füße erfrischen wir uns noch mit der bereitgestellten Zitronenlimonade und machen uns auf dem Weg zu unseren Fahrern, die uns zurück ins Hotel fahren. Wir haben nun wieder einen kleinen Moment Pause, bevor wir uns für den Abend schick machen.

Zum Sonnenuntergang geht es noch einmal zum Aussichtspunkt „Harrat“, an dem sich auch das Restaurant Okto befindet. Hier tummeln sich jetzt viele Menschen, die sich an der Aussicht erfreuen und darauf warten, dass die Sonne versinkt. Leider ist es heute relativ diesig, was zwar für schöne Farben zum Sonnenuntergang sorgt, aber auch die Sicht ein bisschen eintrübt. Mir macht es viel Spaß, die Leute zu beobachten. Es entstehen viele Familienfotos in der untergehenden Sonne und alle haben ihre Handys oder Kameras gezückt. Da sind wir doch alle gleich, egal wo wir uns befinden! Als die Sonne unter geht, gehen in AlUla im Tal die Lichter an und so entfaltet der Ort in der Dämmerung von oben einen besonderen Zauber.

Nach Sonnenuntergang fahren wir den Berg wieder runter und am heute bereits letzten Abend steht ein Dinner in „Maraya Social“ an. Das Restaurant auf dem Dach des verspiegelten Gebäudes wird von Jason Atherton bekocht. Der englischer Sternekoch ist auch aus dem Fernsehen bekannt und wir freuen uns auf das, was uns erwartet. Eigentlich wollen wir vorher noch eine Fotoausstellung in Maraya ansehen, aber der Zugang bleibt uns verwehrt, weil sich gerade die Königsfamilie dort umsieht. Wir fotografieren also noch ein bisschen das Gebäude von draußen und fahren dann mit dem Aufzug nach oben. Das Restaurant ist recht groß und hat vor allem eine sehr hübsche Dachterrasse. Heute Abend ist es zum ersten Mal gar nicht kühl, sodass wir (wie fast alle Gäste) draußen sitzen. Das Menü liest sich super und sogar die Cocktails werden hier mit besonderer Sorgfalt gemixt. Zoe, die Chefin von Suleyman, die heute mit uns ist, bezeichnet sie trotzdem als „Mocktails“, weil kein Alkohol drin ist. Chef-Barkeeper Iwan erklärt uns, dass er seine Cocktails mit lokalen Zutaten kreiert und nach seiner Ankunft in AlUla erst einmal die lokalen Märkte besucht und die Leute kennengelernt hat, um ein Gefühl für die richtigen Zutaten zu entwickeln. Mein Mocktail enthält unter anderem Rosenwasser und schmeckt genauso himmlisch wie das Glas aussieht, in dem es serviert wird. Gut, dass ich das nicht spülen muss!

 

Zoe ist eine interessante Gesprächspartnerin, denn sie hat bereits in England und Australien im Tourismusmarketing/PR gearbeitet und weiß viel darüber zu erzählen, was für AlUla geplant ist. Die wichtigste Botschaft, die wir mitnehmen, ist dass die touristische Entwicklung in dieser Region nachhaltig erfolgen soll und man nicht die Region mit Touristen überfluten will, worunter dann die die Natur leiden würde. Zerstört ist ganz schnell und hier möchte man einen anderen Weg gehen. Dafür gibt es Pläne, die mit Hilfe internationaler Berater entstanden sind und alles, was hier an Hotels und Einrichtungen gebaut wird, unterliegt strengen Genehmigungsverfahren. An vielen Stellen sieht man bereits, welche Entwicklungen geplant sind, und man bekommt einen Eindruck davon, dass sich die Region in den nächsten 10 Jahren sicher stark verändern wird. Ich würde also jedem Interessierten empfehlen, bereits jetzt dort hin zu reisen und nicht zu warten, bis alles erschlossen ist. Vermutlich wird man dann eh noch ein zweites und drittes Mal zurückkehren wollen. Mir geht es jedenfalls so, denn ich habe mich in AlUla sehr wohl und vor allem willkommen gefühlt. Ich bin offenen Menschen begegnet, die mir in die Augen geschaut haben – nicht so wie zu Hause, wo die meisten Menschen weg sehen oder den Blick schnell abwenden.

Zurück zu Maraya Social: Das Essen ist sehr lecker, hier gibt es feine internationale Küche, die einen Hauch arabischen Einschlag hat. Ihr könnt ja mal auf der Karte stöbern! Ich frage mich, ob es als Koch schwierig ist, wenn man in einem arabischen Land ein Restaurant betreibt und plötzlich auf den oft verwendeten Alkohol beim Kochen verzichten muss…

Das Dessert lassen wir heute aus, wir haben in den letzten Tagen einfach viel zu viel zu Essen bekommen. Statt dessen gehen wir noch auf die Aussichtsplattform, auf der im Sommer abends auch kleinere Konzerte stattfinden, und machen noch ein paar Fotos.

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Die Autorin

Katrin Schmidt

Katrin Schmidt

Geschäftsführung, Messeleitung

Kauffrau, Hobby-Fotografin & Sportbegeisterte

Enthusiastische Hobby-Fotografin mit besten Kenntnissen in den Bereichen Vertrieb & Marketing. Am liebsten fotografiert sie auf Reisen rund um die Welt und in der Natur vor der Haustür, sodass sie schon mal bei Sonnenaufgang durch den Dreck krabbelt. Katrin ist kreativ, lustig und ihr Teekonsum kurbelt die Weltwirtschaft an.

Zuständig für: Organisation, Marketing, Rahmenprogramm & Kooperationen

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