Ein Plädoyer für das Umgucken, Abgucken und Imitieren – und das Teilen

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Teilen - Bild von Alexas_Fotos

Sicher fragt ihr euch, was das jetzt soll und vor allem was es mit unseren drei Themenbereichen Fotografie, Reise und Outdoor zu tun hat. Ich kläre das mal auf: Natürlich geht es nicht um das Abschreiben in der Schule, sondern um die Fotografie.

Immer wieder treffen wir da draußen auf Fotografen, die bereits alles können und alles wissen, denen keiner das Wasser reichen kann und die ein Geheimnis daraus machen, wie sie arbeiten und ihr Wissen mit niemandem teilen möchten. Sie haben wohl Angst, dass andere besser sind oder werden und sie überflügeln. Doch gerade in der Fotografie, die die Wirklichkeit abbildet, verfremdet, die Welt und die Ansicht des Fotografen widerspiegelt, und die gleichzeitig Dokumentation und Kunst sein kann und die am Ende des Tages eine Gefallens-Frage und Geschmacksache ist, kann und wird sowieso niemand alleine an der Spitze stehen.

Wissen auch bei der Fotografie teilen - Bild von Alexas_FotosWirklich große Menschen teilen ihr Wissen, Denken und Können mit anderen, denn sie sind sich bewusst, dass wir von der Vielfalt leben, die sich ergänzen kann. Dass Ideen unendlich sind und sie selbst davon profitieren können, wenn andere ihre Ideen weiterentwickeln. Für jeden da draußen gibt es eine Nische, eine Aufgabe und eine Bestimmung. Ein Foto ist der Ausdrucke einer Persönlichkeit und zeigt immer auch etwas über den Menschen hinter der Kamera, seine Art und Weise die Welt zu sehen, sehen zu wollen und vor allem, was ihm wichtig ist.

Jeder sollte bei der Suche nach dem, was ihn fotografisch erfüllt und worauf er sich konzentriert, seinen eigenen Weg gehen. Aber auf diesem Weg, ist “spicken” erlaubt und meiner Ansicht nach sogar gewünscht und förderlich. Ihr könnt von anderen lernen, euren eigenen Geschmack und damit Stil verstehen und finden, vermeiden, was sie falsch gemacht haben und imitieren, was euch bei ihnen gut gefällt. Es ist wichtig, dass ihr euch Inspiration von anderen holt. Dass ihr niemals meint, schon alles zu können oder zu wissen. Behaltet immer den Respekt vor der Arbeit anderer und denkt daran, dass jeder an einem anderen Punkt seiner persönlichen Entwicklung steht – vielleicht wart ihr schon da, vielleicht seid ihr von diesem Punkt noch weit entfernt. Es spielt keine Rolle, denn jeder hat sein eigenes Tempo und verdient Respekt. Bleibt aber immer offen für eure eigene Weiterentwicklung und seid neugierig.

Um eure eigenen Fotografie-Fähigkeiten zu verbessern, schaut euch möglichst viele Bilder an und überlegt euch bei jedem Bild, warum es euch gefällt und was euch darin anspricht. Stellt euch Fragen wie etwa:

  • Fotografie betrachten und analysieren, Bild von Gerd AltmannWelche Personen oder Elemente sind im Bild und wie wirken sie miteinander?
  • Wo sind die Bildelemente positioniert und warum?
  • Wie ist die Blickführung des Betrachters, wo schaue ich zuerst und zuletzt hin?
  • Welche Perspektive hat der Künstler gewählt und was bewirkt diese Perspektive?
  • Von wo kommt das Licht und wie ist es gesetzt?
  • Ist es eine große oder eine kleine Lichtquelle und wie wirkt sich das auf die Schatten aus?
  • Welchen Einfluss haben Licht und Schatten auf die Wirkung des Bildes?
  • Welche Farben wurden verwendet und wie wirken diese?
  • Gibt es sich wiederholende Elemente, Muster, Texturen?
  • Welche Emotionen weckt das Bild und warum?

Bild von Peter HIhr seht schon, ich möchte euch auch einladen, euch mit Grundlagen der Kunst zu beschäftigen: Licht, Perspektive, Bildaufbau, Farbwahl und damit Blickführung des Betrachters. Der Fotografie voraus ging die Malerei, denn die Menschen hatten schon immer das Bedürfnis, das, was sie sehen, wahrnehmen oder sich vorstellen, abzubilden. Dementsprechend lade ich euch ein, euch nicht nur die Bilder anderer Fotografen im Internet, in Bildbänden, Zeitschriften und Ausstellungen anzusehen. Geht auch in die Kunstmuseen und besucht die Kirchen, an denen ihr vorbei kommt. Schaut euch die alten Meister an und analysiert, was sie gemalt haben und warum. Hier könnt ihr so viel über Lichtführung für eure Fotografie lernen und entdecken, wie Personen in Bezug zueinander gesetzt werden, wie Spannung entsteht oder wann euch Landschaftsmalerei harmonisch und ansprechend erscheint.

Für die Fotografie beobachten, Bild von Free-PhotosFindet heraus, was euch persönlich anspricht und macht euch das Beobachten zur zweiten Natur. Wo ihr geht und steht, analysiert die Situation. Wenn ihr auf den Bus wartet, schaut euch an, wovon ihr umgeben seid. Wie ist das Licht, was für Menschen sind dort, welchen Einfluss hat das Licht auf die Szene, welche Gefühle weckt die Szene und wie lässt sich das reproduzieren? Wenn ihr nur ein einziges Foto in diesem Moment machen dürftet, was würde es sein? Was ist für euch das wichtigste Element?

Dann transferiert all das in eure Fotografie. Imitiert eure Vorbilder, schafft Fotos, die ihre Handschrift tragen und in denen man sie wieder erkennt. Ich bin der festen Überzeugung, dass ihr nicht an dieser Stelle stehen bleiben werdet. Das Leben und die Fotografie ist eine Entwicklung und jeden Tag lernt man etwas Neues dazu. Wer offen und aufmerksam gegenüber anderen bleibt und sich anschaut, was sie machen, fragt, wie und warum sie es machen und von jedem vielleicht ein Quäntchen an Inspiration mit nimmt, wird seinen eigenen Stil finden und sich trotzdem immer weiter entwickeln. Und der eigene Stil ist garantiert nicht genau wie der Stil eines anderen Menschen, denn wir alle sind einzigartig und haben unterschiedliche Interessen und Vorlieben, die sich in unserer Arbeit zum Ausdruck bringen.

Fotografie-Wissen teilen, Bild von Raman OzaWenn ihr dann an dem Punkt angelangt seid, wo andere vielleicht zu euch aufschauen und um Rat und Hilfestellung bitten, gebt sie ihnen. Vielleicht stellen sie eine Frage, die euch zum Nachdenken bringt und euch eine neue Richtung einschlagen lässt, vielleicht bekommt ihr einen Impuls, der euch selbst ein Stückchen weiter bringt.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine spannende Zeit der Weiterentwicklung, ich wünsche euch und mir selbst Offenheit, Neugier und Respekt für andere. Ein Miteinander statt eines Gegeneinanders.

Fotografie-Kurse mit Sacha Goerke; © Sacha Goerke

Wer Lust hat, mit mir über meine Ansicht zu diskutieren, kann das unter anderem gerne bei unseren intermezzo-Workshoptagen im Landschaftspark am 1. und 2. November persönlich tun. Oder sich Inspiration und Anleitung von anderen holen, wie zum Beispiel von Sacha Goerke, der bei seinem Fotowalk “Ask the Trainer” verschiedenste fotografische Fachgebiete abdeckt und genau das tut, wozu ich euch am Schluss rate: seid offen, nehmt alle Fragen ernst und beantwortet sie! 🙂

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Die Autorin

Katrin Schmidt

Katrin Schmidt

Geschäftsführung, Messeleitung

Kauffrau, Hobby-Fotografin & Sportbegeisterte

Enthusiastische Hobby-Fotografin mit besten Kenntnissen in den Bereichen Vertrieb & Marketing. Am liebsten fotografiert sie auf Reisen rund um die Welt und in der Natur vor der Haustür, sodass sie schon mal bei Sonnenaufgang durch den Dreck krabbelt. Katrin ist kreativ, lustig und ihr Teekonsum kurbelt die Weltwirtschaft an.

Zuständig für: Organisation, Marketing, Rahmenprogramm & Kooperationen

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