Winterwunderland: 15 Tipps zur Schnee-Fotografie

Schnee-Foto bei Sonnenauf- oder untergang

Wenn der Schnee im Winter die Landschaft bedeckt, bietet sich die perfekte Gelegenheit, um tolle Fotos zu machen. Doch um die Schönheit des Winters einzufangen, gibt es ein paar Dinge, die man beachten sollte. Das ist nicht nur die richtige Ausrüstung, sondern auch noch jede Menge andere Sachen sind zu beachten. Ich hoffe, unsere 15 Tipps helfen dir, schöne Bilder im Schnee zu machen.

Winterwunderland: 15 Tipps zur Schnee-Fotografie

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Schnee-Foto bei Sonnenauf- oder untergang

1. Such dir dir passende (Kamera)-Ausrüstung zusammen

Bei extrem niedrige Temperaturen können Kameras zu streiken beginnen. Vielen Smartphones wird bereits unter dem Gefrierpunkt zu kalt. Größere Kameras sind da unemfindlicher, manche Profi-Modelle funktionieren sogar bei bis zu minus 50° Celsius. Bei der Wahl des Objektives empfehle ich eher zum Zoom-Objektiv statt zur Festbrennweite zu greifen. Das spart unnötige Objektivwechsel, bei denen feuchte und kalte Luft in die Kamera gelangen und für Probleme sorgen kann. Die größten Probleme bei Kälte machen die Akkus. Nimm also ausreichend Reserveakkus mit und transportiere diese nahe am Körper um sie vor der Kälte zu schützen. Falls du möchtest, nimm auch gerne ein Stativ mit, um auch längere Belichtungszeiten verwackelungsfrei zu fotografieren und den Bildaufbau ganz in Ruhe zu perfektionieren. Falls vorhanden, verwende bei starkem Schneefall eine spritzwassergeschützte Kamera, einen Regenschutz oder bastle dir selbst einen Regenschutz aus einer Plastiktüte oder Duschhaube und fixiere diesen mit Gummibändern. Auch immer dabei haben solltest du Reinigungstücher, da vorallem die Objektive gerne beschlagen. Das alles solltest du gut in einer Kameratasche oder -Rucksack verstauen. Viele Taschen sind aus waserabweisenden Material und haben sogar bereits einen integrierten Regenschutz. Auch bei der eigenen Kleidung sollte man vorsorgen. Du kannst dich gerne mit beiheizbarer Skiunterwäsche ausstatten, in der Regel tut es die gute alte Zwiebeltechnik aber auch. Beim Zwiebelprinzip kombinierst du mehrere Lagen Kleidung übereinander. Die zwischen den einzelnen Schichten befindliche Luft sorgt da dann für die nötige Isolierung und die Körperwärme bleibt erhalten. Je nach Wetter solltest du mit wind- und regenabweisenden Schichten kombinieren. Schuhe mit dicker Sohle, eine anständige Mütze und Handschuhe (idealerweise mit umklappbaren Fingerkuppen für die Kamerabedienung) sind je nach Kälte auch unverzichtbar. Falls du im Schnee knien möchtest, benutze unbedingt einen Schutz damit keine Feuchtigkeit in deine Kleidung eindringen kann. Eine kleine Plane, eine alte Regenjacke, eine Plastiktüte oder zur Not auch einfach der Regenschutz deines Kamerarucksacks helfen, wenn deine Hose nicht wasserabweisend ist.

Ein paar hilfreiche Produkte findest du auch auf unserem Pinterest Account.

2. Kameraeinstellungen vorbereiten

Wie auch sonst in der Fotografie solltest du gerade bei der Fotografie von weißen Schneelandschaften unbedingt im RAW-Modus fotografieren. So hast du in der Bildbearbeitung mehr Möglichkeiten nachträglich deine Fotos zu verbessern. Für den Anfang rate ich im Modus Blendenpriorität zu fotografieren und bei Bedarf die Belichtungskorrektur der Kamera zu verwenden. Die Belichtungskorrektur wird uns auch noch etwas später in diesem Artikel beschäftigen. Stelle den Weißabgleich gerne schon vorab manuell ein um deine Bilder in Action besser beurteilen zu können. Der automatische Weißabgleich kann nämlich zu sehr blauen oder sehr grauen Schneeaufnahmen führen. Versuche es mit einem Wert von etwa 6500k und nimm bei Bedarf kleine Anpassungen vor. Da wir in RAW fotografieren, können wir den Feinschliff auch hier später in der Bildbearbeitung machen. Mehr zum Thema Weißabgleich findest du im Gastbeitrag von Jochen Kohl hier in unserem Blog.

So sieht es oft aus, wenn ein Bild direkt aus der Kamera kommt und der Fotograf „einfach nur draufgehalten hat“:

Schnee-Foto, © Winfied Strudl

3. Überbelichten um graue Schneeaufnahmen zu vermeiden

Um das verblüffend helle Weiß des Schnees wirklich wiederzugeben, solltest du eine Überbelichtung von +0,7 oder +1 versuchen. Überbelichtung ist ein einfacher Tipp, der zu wunderbar weißen, natürlich wirkenden Winterfotos führen kann. Bitte beachte, dass auch bei einer Überbelichtung ein leichter Blaustich in deinen Bildern zu erwarten ist. Wenn das Bild blau oder sehr blau ist, liegt das daran, dass der Schnee den blauen Himmel reflektiert. Wenn direktes Sonnenlicht auf den Schnee fällt, sollte er weniger blau sein und es sollte einfacher sein, das „helle Weiß“ in deinen Bildern zu erhalten. Auch hier gilt: Da wir im RAW-Format fotografieren, können wir später den Blaustich beseitigen. Dies kann aber auch zu sehr unnatürlich wirkenden Schneefotos führen, daher ist hier das richtige Fingerspitzengefühl von Nöten.

Lappland © Katrin Schmidt

4. Wie man fallenden Schnee fotografiert

Ich habe vorhin die Blendenpriorität für die Schneefotografie empfohlen, dies bietet sich vorallem für verschneite Szenen an. Was passiert aber wenn man Schneegestöber oder verträumt fallende Schneeflocken ablichten möchte? Wenn du fallenden Schnee fotografieren möchtest, solltest du in den manuellen Modus wechseln, damit du auch die Verschlusszeit steuern kannst. Jetzt hast du die Möglichkeit dich zu entscheiden, ob du den Schnee als einzelne Flocken fotografieren möchtest – oder ob du die Bewegung des Schnees während des Fallens in Form von Streifen/Linien festhalten möchten. Bei einer längeren Belichtung (weniger als 1/100) wird die Bewegung sichtbar. Längere Belichtungszeiten zeigen Schneeflocken oder Schneeflecken – wenn du die Verschlusszeit noch weiter verkürzt, verschwinden diese vielleicht sogar aus dem Bild. Experimentiere also gerne je nach der Stimmung, die du hervorrufen möchtest. Je größer die Brennweite, desto länger kann auch die Belichtungszeit sein. Wenn du hier aber mehr experimentieren möchtest, nimm am besten dein Stativ zur Hand. Eine kürzere Verschlusszeit kann jedoch das Gefühl des fallenden Schnees besser hervorrufen, denn eine zu lange Verschlusszeit kann zu einem nebligen oder unscharfen Bild führen. Versuchen es einmal mit einer Belichtungszeit von 1/250 oder länger, um die Schneeflocken in der Luft einzufrieren und trotzdem ein leichtes Gefühl der Bewegung zu erhalten.

Schnee, Bild © Lorri Lang

5. Versuche es mit Schwarz-Weiß-Umwandlung für ein atemberaubendes Schneefoto

Schneefotos können sowohl in Schwarz-Weiß als auch in Farbe großartig aussehen! Erhöhe dabei ggf. den Kontrast und den Weißanteil und behalte die Tonwertkurve im Auge. Wie beriets erwähnt, ist es leicht, ein sehr graues Bild zu erhalten, wenn man nicht aufpasst.

6. Ein kontrastreiches Motiv überlegen

Wenn du darüber nachdenkst, wie du Fotos im Schnee machen kannst, sollten du dir überlegen, was du fotografieren möchtest! Ein Stadtbild oder eine belebte Straße kann sehr wirkungsvoll sein, ebenso wie eine verschneite Landschaft. Du kannst auch Figuren in Ihre Landschaften einbauen. Das helle Weiß im Kontrast zu einer oder mehreren Figuren in der Landschaft kann sehr wirkungsvoll aussehen.

Schnee, Foto: © Valter

7. Gehe raus und fotografiere unter verschneiten Bedingungen

Bei starkem Regen macht das Fotografieren weniger Spaß, das gilt jedoch nicht für Aufnahmen bei Schneefall. Wenn die Leute sich zu Hause unter einer warmen Decke verstecken solltest du raus, um den Winter einzufangen! Lassen dich von „schlechtem“ Wetter nicht abschrecken. Ich habe oben bereits das Handwerkszeug zum Fotografieren von fallendem Schnee gegeben, also geh hinaus und versuche, diese einzigartige Atmosphäre einzufangen. Du kannst stimmungsvolle Landschaften oder Stadtansichten bei Schneefall einfangen. Oder du kannst Menschen oder Tiere ablichten. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Atmosphäre einzufangen, wenn der Schneefall einsetzt.

8. Manueller Fokus für scharfe Bilder

Ein wirklich weißes, verschneites Motiv kann schwierig zu fokussieren sein, besonders mit dem Autofokus. Gerade auch bei Schneefall tut sich der Autofokus oft sehr schwer! Verwende daher am besten den manuellen Fokus. Nutze dazu auch gerne den Live-View um auf 100% im Bild zu zoomen und zu prüfen ob der Fokus richtig sitzt.

9. Schneeflocken mit Blitzlicht beleuchten

Wenn du nachts Aufnahmen von fallendem Schnee machst, kannst du versuchen, einen Blitz auf deine Kamera aufzusetzen und ihn nach vorne zu richten. Falls vorhanden, kannst du auch den eingebauten Blitz verwenden. Stelle dazu deine Kamera auf manuelle Belichtungsmessung mit Matrixmessung ein. Mache dann eine Belichtungsmessung ohne eingeschaltetes Blitzgerät, damit die gesamte Szene korrekt belichtet wird. Bleib im manuellen Modus – damit die gleiche Belichtungsmessung beibehalten wird – und schalte nun den Blitz ein. Du erhälst dann überbelichtete Schneeflocken im Vordergrund, aber einen gut belichteten Hintergrund und ein gut belichtetes Gesamtbild.

Dieser Trick funktioniert auch bei Tageslicht sehr gut, wenn du die Blitzleistung reduzierst:Japanmakake - Schneeaffe, © Katrin Schmidt Hier erfolgte die Belichtungsmessung auf die Augen des Affen, belichtet wurde 1/160 Sek, Blende f/5,6, ISO 640. Es kam ein Aufhellblitz zum Einsatz.

10. Benutze die Streulichtblenden deines Objektives

Die meisten Objektive werden mit Streulichtblenden geliefert. Beim Fotografieren im Schnee sind Streulichtblenden sehr nützlich. Sie verhindern nicht nur, dass fallender Schnee auf dein Objektiv gelangt, sondern wirken auch als leichte Barriere gegen die Kälte. So lässt sich die Kondensation auf dem Objektiv verringern.

11. Benutze das Histogramm

Das Betrachten deiner Bilder auf dem Kamera-Bildschirm oder dem Sucher kann zu Ungenauigkeiten führen, insbesondere bei hellen, weißen Motiven. Verwende daher besser das Histogramm, um ihre Belichtung genauer zu überprüfen. Damit vermeidest du völlig überzubelichten und Details zu verlieren, die selbst in Raw nicht wiederhergestellt werden können. Es lohnt sich auf jeden Fall, zu wissen, wie du das Histogramm in deiner Kamera anzeigen lassen kannst. Am besten machst du dich damit noch im Warmen und in Ruhe vertraut.

12. Halte deine Akkus warm

Ich habe dies zwar bereits weiter oben erwähnt, aber ohne Akku kein Bild, daher wird dieser Punkt hier nochmal erwähnt. Bei winterlichen Temperaturen ist es schwierig, Batterien warm zu halten. Wenn sie zu kalt werden, können sie ganz ausfallen. Sorge daher für ausreichend, voll aufgeladenen, Ersatzakkus. Bewahre sie am besten in einer Innentasche deiner Jacke auf – so bleiben sie nicht nur warm, sondern auch trocken. Wenn deine Batterie plötzlich leer ist, brauchst du nicht in Panik zu geraten! Akku tauschen und weiter geht es.

13. Nutze Sonnenaufgang und -untergang

Fotografieren bei Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang kann deinen Schneeaufnahmen das gewisse Etwas verleihen. Wie bereits erwähnt, ist das Sonnenlicht, das direkt auf den Schnee scheint, eine große Hilfe für wirklich helle weiße Schneeaufnahmen. Wenn du also einen Sonnenauf- oder -untergang fotografierst, solltest du einen warmen oder blauen Farbton in deinen Bildern erwarten. Kämpfe nicht zu sehr dagegen an, sondern lasse dich darauf ein und mache ein natürliches Bild des Sonnenaufgangs oder -untergangs, das durch eine atemberaubende Schneelandschaft ergänzt wird. Beachte aber bitte dass es gerade vor Aufgang bzw. nach Untergang noch um einiges kälter ist.

Schnee bei Sonnenauf- oder untergang

14. Stärkung für Unterwegs

Mangelt es deinem Körper an Flüssigkeit wird dein Blut dicker und kann schlechter zirkulieren. Um zu vermeiden, dass vorallem deine Hände und Füße aufgrund mangelnder Durchblutung kalt werden, denke daran oft und ausreichens zu trinken. Auch ein voller Magen hilft, deinen Körper von innen zu wärmen. Du kannst dir hier zum Beispiel eine warme, gut gewürzte, Suppe in einer Thermoskanne mitnehmen. Oder einen Ingwertee, wer mag.

15. Zurück ins Warme

Du hast deine Bilder im Kasten? Super, dann ist es Zeit sich aufzuwärmen. Dabei sind auch einige Punkte zu bedenken. Wenn deine Kamera oder Ausrüstung mit Schnee bedeckt sein sollte, putze ihn mit einem Handschuh ab. Schnee wird zu Wasser, und das gefällt deiner Ausrüstung vermutlich weniger. Sei vorsichtig mit deiner Kamera, wenn du wieder ins Warme kommst. Das Metall der Kamera ist sehr kalt und wenn du die Kamera nun einem Temperaturschock aussetzt, kann sich schnell Kondenswasser am und im Gehäuse bilden. Besser ist es daher, die Kamera behutsam (langsam) zu erwärmen. Lasse sie ggf. für eine Weile in der geschlossenen Tasche in einem kühlen Raum (hier kondensiert dann die Feuchtigkeit eher an der Tasche als an der Kamera) und steigere die Temeratur nur langsam.

Daher auch das Objektiv erst abnehmen, wenn die Kamera aklimatisiert ist – andernfalls gibst du der Feuchtigkeit eine weitere Gelegenheit, in die Kamera einzudringen.

Übrigens gilt das auch für große Temperaturunterschiede unter dem Gefrierpunkt, wie Katrin vor einigen Jahren in Lappland feststellen musste, als sie von unter -20°C ihre Kamera mit in den Iglu (-5°C) nahm:

Lappland © Katrin Schmidt

Ist aber gut ausgegangen. Falls dich der Blogbeitrag ihrer Reise interessiert, findest du ihn hier.

Mit diesen 15 Tipps kommst du bei deinen nächsten Schneebildern hoffentlich zu schnellen Ergebnissen und kannst wunderschöne Fotos von verschneiten Winterlandschaften machen. Viel Spaß dabei!

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Winfried Strudl

Winfried Strudl

Grafik & Technik

Pixelschubser und Diplomierter Eventmanager

Aufgewachsen mit einem Commodore 64 und dem Internet beim "Erwachsen werden" zugesehen. Aufgeweckt, leicht chaotisch und für jeden Spaß zu haben. In der Freizeit gerne in den Bergen oder in der Natur. Ansonsten liebt er Gärtnern, Kochen, gutes Essen und Wein.

Zuständig für: Grafik, technische Unterstützung, Aufplanung & alle Stellen, an denen es gerade brennt

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