Gastbeitrag von

Jochen Kohl

Zusammengesetzte Aufnahme aus dem LaPaDU, © Jochen Kohl
© Jochen Kohl

 

Eine klassische Ansicht aus dem Landschaftspark - die Hochöfen am Ende der blauen Stunde, im Vordergrund das beleuchtete Wiegehäuschen. 

Hättet ihr erkannt, dass dafür mehr als nur eine Aufnahme nötig war?

Unterwegs mit der falschen Brennweite: Wenn das Weitwinkel nicht ausreicht

von / / P+A-Blog
Zusammengesetzte Aufnahme aus dem LaPaDU, © Jochen Kohl

Nicht selten hört man von dem ein oder anderen Fotografen so etwas wie: Ach ja, das Motiv kenne ich, da war ich auch schon, hatte nur die falsche Brennweite dabei. Dabei sollte man aber im digitalen Zeitalter eher entscheiden, ob das Motiv ein Bild wert ist oder nicht – weniger ob man die genau passende Brennweit griffbereit hat.

Was tun, wenn das Weitwinkel nicht ausreicht?

Wie es sich mit Perspektive und Abstand verhält, falls es einem mal an der längeren Portraitbrennweite hapert und das Weitwinkel für die Porträts herhalten muss, haben wir ja bereits hier im Blog behandelt. Wer den Artikel noch einmal lesen möchte, findet ihn hier. Heute dagegen möchte ich euch zeigen, wie ihr mit einer Situation umgeht, in der euch dagegen das Weitwinkel fehlt oder aber die Situation vor Ort eigentlich schon fast ein Fisheye erfordert. Gerade der Landschaftspark bietet sehr schöne Perspektiven, bei welchen man sich schon einmal wünscht, doch noch weitwinkler werden zu können. So geschehen beispielsweise bei den Aufnahmen, die wir für das neue Hauptmotiv der Photo+Adventure im nächsten Jahr gemacht haben.

Weil wir bei diesem Motiv „ordentlich Futter“ drum herum brauchten um die Perspektive vernünftig korrigieren zu können und einem Plakatmotiv gerecht zu werden, war basteln angesagt: Ich brauchte eine Reihe von Aufnahmen der einzelnen Bildbereiche um am Ende in Photoshop die Einzelaufnahmen zu einem Gesamtbild zusammen zu setzen.

Während für die professionelle Arbeitsweise ein Stativ mit Panoramakopf wie z.B. der von mir verwendete Novoflex-Panoramakopf unabdingbar ist, insbesondere dann wenn auch im Nahbereich abzubildende Motivanteile liegen, kann man sich bei weit entfernten Motiven auch schon einmal gut ohne helfen. Natürlich schwankt man hierbei deutlich mehr bei der Erstellung der Einzelaufnahmen und verschluckt auch gerne mal einen Bildanteil, aber mit ein wenig Übung kann man auch ohne diese Hilfsmittel Ergebnisse erzielen, die sich im direkten Vergleich mit einer Einzelaufnahme mit der entsprechenden Brennweite wesentlich unterscheiden.

Dann stellt sich also die Frage, ob man ein Stativ verwendet oder nicht. Wenn man mit einer hochauflösenden Kamera mit vielleichtz 30-40MP solche Aufnahmen kreiert, kann man es sich am Ende bei der Bildbearbeitung schon leisten, diese zur Rauschminderung runter zu rechnen und so gegebenenfalls auf ein Stativ verzichten. Selbst bei Aufnahmen mit einer 10MP Kamera und einem nach dem Beschnitt aus den Einzelbildern zusammengesetztem Material bleibt eine knapp 50 Megapixel-Aufnahme. Doch selbst der einfache Schwenk über ein normales Stativ, wie bei den gezeigten Aufnahmen, kostet kaum Zeit und Mühen und ich bevorzuge das Stativ nicht nur bei Dämmerungs- und Nachtaufnahmen, sondern auch bei Tageslicht. Es hilft mir fokussiert und konzentriert zu arbeiten und mir im Vorfeld die Gedanken über die Bildgestaltung zu machen, was mir am Ende meist zum besseren Bild verhilft.

Seid ihr aber unterwegs, dann verzichtet nicht auf das Foto nur weil ihr weder Weitwinkel noch Stativ zur Hand habt. Versucht ruhig einmal freihat verschiedene Einzelaufnahmen zu erstellen und dann mittels Zusammensetzung dich noch zum gewünschten Bildmotiv zu kommen.

Vereinfacht wird die Zusammensetzung der Einzelaufnahmen später am Rechner in der passenden Software (z.B. Photoshop oder einem der gängigen Panorama-Programme) übrigens durch eine durchgängige Belichtung und einen festgelegten Weißabgleich. Die Festlegung von konstanten Belichtungs- und Weißabgleichsparametern machen nur einen Moment vor der Aufnahme aus, können aber viel Zeit und Mühe bei Zusammensetzung der Einzelaufnahmen in den entsprechenden Programmen sparen.

Jochen Kohl

Jochen Kohl

Profi-Fotograf

Mit nun über 20 Jahren Erfahrung in der professionellen Fotografie hat Jochen Kohl viele Facetten der Fotografie erlebt. Schon bei seinem Einstieg Anfang der Neunziger hatte er das Glück, im damaligen Studio für namenhafte Kunden wie BMW Motorrad, Manufactum oder Philipp Holzmann arbeiten zu dürfen. Auch heute finden sich in seinem breitgefächerten Portfolio namhafte Kunden und durch seine zwanzigjährige Erfahrung weiß er, was er seinem Equipment abverlangen kann und was möglich ist, um die eigenen kreativen Ideen umsetzen zu können.

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