I’m singing in the rain… fotografieren im Regen?!

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Aqua alta in Vendig, © Katrin Schmidt
Aqua alta in Vendig, © Katrin Schmidt

Aqua alta in Vendig, © Katrin Schmidt

Sonne ist einfach herrlich, ganz klar. Aber nicht unbedingt immer da und vor allem keine Voraussetzung beim Fotografieren. Auch bei „schlechtem Wetter“ und insbesondere unter feuchten Bedingungen können richtig gute Fotos entstehen. Einige Motive kann man sogar nur bei schlechtem Wetter aufnehmen. Ein paar Tipps für Regenfotos und das Fotografieren im Regen wollen wir euch hier in Anbetracht der aktuellen Wettervorhersage geben und euch vielleicht inspirieren, einfach mal mit der Kamera raus zu gehen wenn es regnet.

Kreativer Schub beim Fotografieren im Regen

© Rainer Sturm / pixelio.de

© Rainer Sturm / pixelio.de

Regenfotos fordern eure Kreativität geradezu heraus. Aus alltäglichen Motiven können ganz besondere Fotos entstehen. Ausdrucksstarke Lichtstimmungen findet ihr besonders an feuchten Tagen. Die Dramatik einer Gewitterfront zum Beispiel. Oder Lichtstrahlen, die sich durchs Geäst bahnen, Regenbogen, Wasserpfützen – eine Spielwiese zum Austoben. Und Regen ist ja auch nicht gleich Regen: Nieselregen, Sprühregen, Wolkenbruch… es gibt so viele verschiedene Situationen und Möglichkeiten, die sich euch bieten.

Auch die Motive sind zahlreich: Von der tropfenden Industriekulisse über Pfützenspiegelungen bei Tag und Nacht, Lichtreflexionen die sich in Tropfen auf dem Objektiv brechen, monotone Stadtszenen in denen bunte Regenschirme ein Hingucker sind, bis hin zu durch das Wasser hüpfende Kinder in bunten Gummistiefeln oder spritzende Tropfen auf Blumen und Pilzen. Ein wahres Fest für jeden fotografischen Schwerpunkt von der Architektur- über die Natur- bis hin zur und Porträt- und Street-Fotografie!

Zudem lassen sich mit Hilfe des Regens hervorragend Stimmungen erzeugen oder Emotionen transportieren, man denke nur an die fröhlichen Pfützenspringer oder das melancholische Bild einer Person am regennassen Fenster. Hier ein paar Beispiele, die zum Teil im Regen entstanden sind, zum Teil nur Spritzwasserschutz erforderten oder nur gemacht werden konnten, weil es gerade geregnet hatte:

Fotografiert man nasse Objekte, so wirken die Farben wesentlich intensiver. Ebenso verändert sich der Kontrast. Auf der einen Seite kann Regen quasi wie ein Weichzeichner den Kontrast reduzieren (der Effekt kann noch mit einer großen Distanz zum Fotoobjekt und einer langen Brennweite verstärkt werden). Der starke Kontrast von Lichtreflexionen auf einem nassen Untergrund lässt Flächen zum Beispiel dunkler erscheinen.

Was hält uns also ab? Eigentlich doch nur die eigene Bequemlichkeit und der innere Schweinehund, der lieber im Sessel zu Hause sitzen möchte als womöglich nass zu werden. Aber…

Die Foto-Regen-Ausrüstung

Wie hat Mama schon gesagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Bekleidung. So ist es! Denkt an Regenjacke, Klima-Sportwäsche, wasserdichte Hose (Trekkinghose zum Beispiel), wasserdichte Schuhe (wenn’s keine unbequemen Gummistiefel sein sollen nehmt z.B. wasserdichte Wanderschuhe), Schirmmütze – gerade wenn ihr Brillenträger seid.
Kameras mögen in der Regel keine Nässe. Schützt eure Kamera mit einem entsprechenden Regenschutz. Es muss ja nicht immer die teure super-spezial Fotoschutzausrüstung sein. Manchmal genügt auch eine Einmal-Duschhaube, eine Plastiktüte oder ein Regenschirm. Oder eine geschützte Stelle als Unterstand. Outdoorläden bieten übrigens viele Regenschutz-Produkte an, schaut einfach mal rein – vielleicht findet ihr etwas, was ihr gebrauchen könnt.
Teuer, aber praktisch: spezielle Unterwassergehäuse (im Angebot bei vielen Kameraherstellern oder Fremdherstellern). Ein Mikrofasertuch und ein Handtuch solltet ihr aber auf jeden Fall einpacken.
Außerdem: Stativ mit Kugelkopf, Ersatzakkus, leere Speicherkarte – diese Dinge müssen wie immer mit. Ganz besonders wichtig ist natürlich eine wasserdichte Fototausche oder ein Überzug für den Fotorucksack (im Zweifel eine Mülltüte!). Auch ein Fernauslöser, um bei Langzeitbelichtungen verwacklungsfreie Fotos machen zu können. Ein Graufilter bietet sich an, um fließendes Wasser seidenweich zu verwischen oder um längere Belichtungszeiten zu erzielen, mit einem Polfilter fangt ihr intensivere Farben ein und reduziert Spiegelungen.

Regentropfen festhalten

© Jochen Kohl

© Jochen Kohl

Wie schon erwähnt, ist Regen ja nicht gleich Regen. Je größer der Tropfen, desto schneller fällt der Regen. Laut Internetrecherche beträgt die Geschwindigkeit zwischen 20 und 40km/h. Übersetzt heißt das: Wählt eine sehr kurze Belichtungszeit, um Regentropfen im freien Fall einzufrieren. Am besten wirken Tropfen übrigens vor einem dunkeln, ruhigen Hintergrund. Nutzt ihr ein Makroobjektiv, fangt ihr je nach Objektiv die Tropfen in Originalgröße ein. Mit der Funktion Reihen- oder Serienaufnahme erhöht ihr die Chance, den perfekten Tropfen zu erwischen, übrigens enorm. Wichtig: Die Tropfen fallen schnell und wollt ihr einzelne Tropfen scharf abbilden, solltet ihr manuell scharf stellen, denn der Aufofokus kann einzelne Tropfen in der Regel nicht schnell genug einfangen.

Reisefotografie in Kalkutta, © Klaus Wohlmann

Reisefotografie in Kalkutta, © Klaus Wohlmann

Mit einer langen Belichtungszeit erzielt ihr den Effekt, Regen in „Fäden“ festzuhalten – ungewöhnlich und etwas für Experimentierfreudige. Die ISO Zahl sollte bei Tageslicht auf den kleinstmöglichen Wert reduziert werden, bei der Blende experimentiert ruhig mit gewünschten Schärfe- und Unschärfeverläufen. Es ist auch immer wieder faszinierend, aufprallende und zerplatzende Regentropfen einzufangen. Fangt dieses Springen (natürlich geht das auch bei Springbrunnen, Wasserfällen usw.) am besten aus Bodennähe ein. Grundsätzlich gilt: Wasser in Bewegung liefert euch tolle Motive. Wählt zwischen kurzen und langen Belichtungszeiten. Friert Bewegungen ein oder macht sie sichtbar.

Tipps – last but not least

Die Belichtungsmesser arbeiten heute sehr genau, aber dennoch schreit vermutlich fast jedes Motiv, das eine spezielle Helligkeit besitzt, nach einer manuellen Korrektur. Regen beeinflusst die Lichtverhältnisse ungemein. Regen kann die Szene stark abdunkeln, der Belichtungsmesser belichtet zu hell und damit geht die Dramatik verloren. Also muss das Bild ins Minus korrigiert werden. Zu viel Helligkeit (heller Hintergrund, Nieselregeln, leichte Wolkenstruktur) muss ins Plus korrigiert werden. Stark vereinfach kann man also sagen: korrigiert sehr helle Motive mit Plus, sehr dunkle mit Minus.

Also, bei schlechtem Wetter jagen wir zwar nicht unseren Hund vor die Tür, aber gerne die Fotografen. Zieht eure Regensachen an und testet das Fotografieren bei Hundewetter. Jede Wette, dass es sich lohnt…

Die Autorin

Katrin Schmidt

Katrin Schmidt

Geschäftsführung, Messeleitung

Kauffrau, Hobby-Fotografin & Sportbegeisterte

Enthusiastische Hobby-Fotografin mit besten Kenntnissen in den Bereichen Vertrieb & Marketing. Am liebsten fotografiert sie auf Reisen rund um die Welt und in der Natur vor der Haustür, sodass sie schon mal bei Sonnenaufgang durch den Dreck krabbelt. Katrin ist kreativ, lustig und ihr Teekonsum kurbelt die Weltwirtschaft an.

Zuständig für: Organisation, Marketing, Rahmenprogramm & Kooperationen

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