Gastbeitrag von

Tobias Gawrisch

Foodfotografie, © Tobias Gawrisch
Fotos: © Tobias Gawrisch

Als Gastautor in unserem Blog gibt euch Tobias Gawrisch Tipps und Anregungen für gelungene und vor allem appetitliche Aufnahmen, die beim Betrachter leicht erhöhten Speichelfluss auslösen können...

Achtung, denn Foodfotografie hat Suchtpotenzial!

:-)

Der Appetit kommt beim … Fotografieren: Foodfotografie-Tipps von Tobias Gawrisch

/ / P+A-Blog
Foodfotografie, © Tobias Gawrisch

Eine meiner großen (fotografischen) Leidenschaften ist das Thema Foodfotografie. Ich liebe es, Nahrungsmittel in Szene zu setzen und Fotos zu erschaffen, die einem schon beim Betrachten das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Schön an diesem fotografischen Genre ist, dass es erstens fast jeden interessiert (wer hat nicht schon mal Fotos vom Essen gepostet oder von Freunden erhalten?) und zweitens auch für Anfänger hervorragend geeignet ist, denn das Motiv läuft in der Regel nicht weg, es sei denn, es handelt sich z.B. um Eis.  Foodfotografie ist etwas, bei dem man hervorragend das Fotografieren üben, mit Licht und Schärfentiefe experimentieren, die Zutaten immer wieder neu arrangieren und in aller Ruhe kreativ werden kann, ohne dass das „Model“ irgendwann keine Lust mehr hat. 😉

Im Folgenden möchte ich euch einige Tipps mit auf den Weg geben, wie eure Food-Fotos zukünftig vielleicht ein wenig schöner und appetitlicher werden, hier aber erst mal eine kleine Galerie als „Appetizer“:

Vorbereitung & Inspiration

Foodfotografie, © Tobias GawrischDas A&O gelungener Fotos ist eine gute Vorbereitung und wie ihr eben schon gelesen habt, hat euer Model vermutlich auch mehr Ausdauer als ihr. Also nehmt euch genügend Zeit für die Vorbereitung und plant euer Setup sorgfältig. Je besser ihr plant und vorbereitet seid, desto weniger müsst ihr später experimentieren und improvisieren.

Schaut euch möglichst viele Food-Fotos an, das Internet bietet da eine wahre Flut an Bildern von Amateuren, Profis und natürlich den vielen Food-Bloggern. Betrachtet die Bilder, analysiert was euch gefällt und wo ihr Raum für Verbesserungen seht. Je mehr Bilder ihr gesehen habt, desto eher entstehen eigene Ideen aus verschiedensten Elementen.  Die Google Bildersuche oder eine eigens dafür angelegte Pinnwand bei Pinterest (wie die der Photo+Adventure) erfüllen hervorragend diesen Zweck.

Um genügend Auswahl an Dekomaterial und Requisiten zu haben, die viele Bilder erst richtig spannend machen, haltet einfach immer die Augen auf, egal wo ihr seid. So können die Bastunterlage aus dem 1€-Shop, der Silberlöffel vom Trödel, alte Flaschen & Gläser, Omas Stoffservietten, Tischtücher und das gute alte Tafelservice neue Verwendung finden und genau das richtige Extra für euer Bild sein. Daher sammelt alles, was euch geeignet und stilvoll erscheint, Motive unterstützen oder besonders im Kontrast mit ihnen stehen kann (ich denke da z.B. an feinstes Essen auf alten Holzbrettern, Leinensäcken oder ähnlichem). Alleine das Sammeln des Materials macht mir schon eine Menge Spaß. Flohmärkte sind dafür eine wahre Goldgrube, aber auch der Spaziergang im herbstlichen Wald bringt einiges an neuer Deko mit nach Hause.

Ist es dann so weit und ihr habt ein bestimmtes Gericht oder Lebensmittel im Kopf, das ihr fotografieren möchtet, überlegt in Ruhe, was dazu passt und erstellt eine Liste mit möglichen Accessoires. Legt eure Deko-Elemente unbedingt rechtzeitig bereit, damit ihr nicht auf die Suche gehen müsst, während euer eigentlich fertig gekochtes Motiv bereits auf dem Tisch vor sich hin schrumpelt. 😉

Licht

Foodfotografie, © Tobias GawrischNutzt für eure Aufnahmen eher große Lichtquellen wie ein Fenster ohne direkte Sonneneinstrahlung für sehr weiches Licht. Wollt ihr harte Schatten erzielen, dann muss eure Lichtquelle eher klein und weiter entfernt sein (auch die Sonne erzeugt harte Schatten!). Seid experimetierfreudig – ist euer Setup so gut wie fertig und etwa auf einer beweglichen Unterlage schön angerichtet, dann wählt eine Position und schaut euch an, welche Wirkung das Licht auf euer Motiv hat. Dreht dann die Unterlage leicht oder verändert die Lichtrichtung und den Abstand der Lichtquelle. Nach jeder noch so kleinen Veränderung schaut euch das Ergebnis an. Experimentiert mit Reflexen, probiert Akzente durch Aufheller an verschiedenen Stellen zu setzen (Reflektoren, ein Stück weißes Papier, Alufolie oder die Gold/Silber-Folie aus dem Erste-Hilfe-Kasten).

So lernt ihr, Licht zu verstehen und zukünftig gezielt für eure Fotos einzusetzen und mit Hilfe des Lichts eine bestimmte Atmosphäre gezielt zu erschaffen.

Schärfe & Blicklenkung

Foodfotografie, © Tobias GawrischNatürlich meine ich mit Schärfe nicht die Schärfe des Essens, sondern das bewusste Spielen mit der Schärfentiefe, um bestimmte Bildbereiche in den Fokus zu rücken. Öffnet und schließt die Blende, probiert aus, wann der Hintergrund zu verschwimmen beginnt und wo die Grenze der Unschärfe verläuft. Sowohl über das Licht (das Auge wandert immer zuerst zum hellsten Punkt im Bild) als auch über den Schärfeverlauf könnt ihr das Auge des Betrachters lenken. Denkt daran, dass ihr der Fotograf seid und bestimmt, was der Betrachter als erstes wahrnimmt und wohin der Blick danach wandert. So definiert ihr die wichtigsten Elemente im Bild.

Auch bei „schnellen“ Handyaufnahmen unterwegs kann Schärfe ein Stilmittel sein. Ihr habt zwar in der Regel keine Kontrolle über Blendeneinstellungen (außer über entsprechende Apps, die das i.d.R. simulieren), aber wenn ihr nah genug am Motiv seid, könnt ihr trotzdem eine Hintergrundunschärfe erzielen. Auf den Blitz solltet ihr allerdings unbedingt verzichten. Je kürzer die Distanz, desto weniger sinnvoll ist sein Einsatz generell.  Achtet also lieber auf das vorherrschende Licht, nutzt es für eure Fotos und platziert euer Essen so im Bild, dass das Foto möglichst interessant wirkt und nicht langweilt.

Die Aufnahme

Foodfotografie, © Tobias GawrischJe nachdem was ihr mit den Fotos vorhabt, bedenkt bereits im Vorfeld, dass ihr zum Beispiel genug Platz um das Motiv herum lasst, etwa um später Texte oder Erläuterungen einzufügen. Ein digitaler Beschnitt ist später schnell passiert, mehr Vorder- oder Hintergrund an ein Bild dran zu basteln kann in Photoshop allerdings zu einem Zeitfresser werden.

Habt ihr meine Tipps von oben berücksichtigt, alles gut vorbereitet, das Licht perfekt abgestimmt und eure Kamera in Position gebracht, müsst ihr eigentlich nur noch den Auslöser drücken. Doch halt: bevor ihr das Foto macht, prüft noch einmal euer Setup. Gibt es da noch Dinge, die nicht auf das Bild gehören? Damit meine ich nicht die liebevoll drapierten Zutaten und Krümel, aber bei mir finden sich da z.B. immer wieder Katzenhaare… 😉

Jetzt aber viel Spaß bei euren Foodfotografie-Experimenten und wer mag, schaut sich meine Tipps dazu noch im Video an:


Beim Photo+Adventure intermezzo habt ihr am 4.11. bei einem Workshop die Möglichkeit, euch noch mehr Tipps von Tobias abzuholen und selbst die Kunst der Foodfotografie mit Availabe Light auszuprobieren. Wenn es euch interessiert, wie auch ihr zu Hause so appetitliche Hingucker-Fotos schafft ohne dass ein ganzes Fotostudio dafür nötig ist, dann schaut doch mal in unserem Shop.

 

Tobias Gawrisch

Tobias Gawrisch

geb. 1988 im Kreis Unna und aktuell wohnhaft in Mülheim an der Ruhr, fotografiert aktiv seit 2008 und hat sich Anfang 2015 dazu entschieden, sein langjähriges Hobby zum Beruf zu machen. Mit seiner Spezialisierung auf Architektur- & Food-Fotografie hat er sich in der Szene schnell einen Namen gemacht und durch seine Aktivitäten auf diversen Social Media Kanälen und dem eigenen YouTube-Kanal rund um die Fotografie konnte er schnell eine stetig wachsende Fangemeinde um sich versammeln.

Website: https://www.crtvty.de

Sende eine Mail an Tobias.

OBEN