Das nicht ganz vollständige Team der Photo+Adventure 2016
© Tina Umlauf / Photo+Adventure

Wie schön, wenn man selbst Eventveranstalter ist und den Blogartikel zur Eventfotografie gleich mit Fotos vom eigenen Event illustrieren kann. ;-)

Der Dank geht in diesem Fall an Tina Umlauf, die die Photo+Adventure 2016 fotografisch begleitet hat.

Einstieg in die Eventfotografie – Teil 1 von 2

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Das nicht ganz vollständige Team der Photo+Adventure 2016

Sommer, Sonne, Ferien – das ist auch die Zeit für jede Menge Straßenfeste, Open Airs, Festivals, Kirmes oder private Gartenpartys, Hochzeiten etc. und damit für jede Menge reizvolle Fotomotive, die alle danach schreien, festgehalten zu werden. Daher widmen wir uns heute in unserem Blog dem Thema Eventfotografie.

Mit guten Eventfotos gelingt es dem Fotografen, den Betrachter am Geschehen teilhaben zu lassen, die Atmosphäre zu fühlen und die Highlights der Veranstaltung Revue passieren zu lassen. Damit euch das gelingt, haben wir als kleine Anregung ein paar Tipps zusammengestellt. Vielleicht könnt ihr euch so noch ein paar frische Ideen holen oder bereits Bekanntes noch mal in Erinnerung rufen und seid – zumindest fotografisch – bestens für die nächste Veranstaltung gerüstet.

Planung ist das A und O bei der Eventfotografie

Pavel Kaplun bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure/Tina UmlaufKennt ihr die journalistischen W-Fragen? Genau diese solltet ihr euch zu Anfang eurer Planung auch stellen:

• Wer?
• Was?
• Wann?
• Wie?
• Wo?

Auch die Warum-Frage ist extrem behilflich. Wer weiß, warum er etwas fotografieren will, weiß auch, welche Art von Bildern entstehen sollen. Und wenn ihr wisst was ihr wollt, wisst ihr auch wie ihr fotografieren müsst, um diese Ergebnisse zu erzielen.
Daher steht zunächst die Frage im Raum, was ihr beim Fotografieren bezweckt. Wollt ihr tolle Fotos aus der Situation heraus und seid nur auf der Suche nach dem einen gelungenen Foto von eurem Lieblingskünstler auf der Bühne? Wollt ihr das gesamte Event fotografisch begleiten und soll daraus eine fotojournalistische Arbeit entstehen? Diese Fragen entscheiden bei der Eventfotografie grundlegend über eure Planung.

Showshooting mit Jochen Kohl bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina Umlauf

Hinter den einzelnen Fragen oben steckt eine ganze Menge mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Beim „Wann“ zum Beispiel zählt nicht nur der Tag, an dem das Ereignis statt findet. Ihr solltet auch wissen, zu welchen Zeiten im Tagesverlauf etwas passiert, das ihr fotografieren wollt oder sollt. Gepaart mit der Visualisierung zu „warum und wie“ ergibt sich für euch daraus ein zeitlicher Ablaufplan, der euch vorausahnen lässt wann ihr wo stehen müsst. Ein guter Eventfotograf kann nicht nur spontan und schnell auf neue Situationen reagieren, er hat „im Gespür“ wo er stehen muss um „sein“ Bild zu machen. Um das zu entwickeln heißt es planen und Erfahrung sammeln!

Wenn möglich, schaut euch die Location vorher an. Überlegt wo die Sonne stehen wird, wo sich Menschen aufhalten und welche Standorte euch als besonders geeignet erscheinen. Sind Menschen involviert, die euch beauftragt haben, das Event zu dokumentieren, fragt sie nach den für sie wichtigen Personen, Geschehnissen und z.B. Dekorationen, die dokumentiert werden sollen. Diese Dinge müssen von euch unbedingt fotografiert werden. Wenn ihr einen Läufer beim Marathon begleitet, wäre es fatal zum Beispiel keine Bilder von den Sponsoren-Logos oder seinem Start- & Zieleinlauf zu haben, weil ihr nicht rechtzeitig dort seid.

Gute Planung ist also tatsächlich das A&O!

Das fotografische Equipment

Fotografen bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina UmlaufEine gute Kamera mit vernünftiger Auflösung und ein gutes, lichtstarkes Objektiv sind natürlich wie immer das Mittel der Wahl und ihr solltet euch mit der Kamera und den Einstellungen gut auskennen. Wer vor Ort zu lange an der Kamera herum fummelt, verpasst unter Umständen den Moment.

Eine Festbrennweite liefert in der Regel die bessere Lichtstärke, bedeutet aber auch eine Festlegung auf die Brennweite und damit den Bildausschnitt. Bei Zoom-Objektiven verliert ihr in der Regel etwas Lichtempfindlichkeit, bekommt dafür jedoch deutlich mehr Flexibilität bei der Bildgestaltung. Insbesondere längere Brennweiten ermöglichen es euch, Details im Geschehen herauszustellen und nicht immer beim Fotografieren einer Situation entdeckt zu werden.

Gary Fong bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina UmlaufDazu solltet ihr zumindest für die Abendstunden und eventuelle Innenaufnahmen ein Stativ dabei haben. Denkt daran, dass ihr bei längeren Brennweiten das Objektiv nicht mehr bei jeder Belichtungszeit verwackelungsfrei halten könnt; als Faustregel gilt hier, dass die Belichtungszeit nicht länger sein sollte als die Brennweite; bei einem 200er-Tele ist also noch etwa 1/200 Sekunde ohne Stativ fotografierbar.

Ein externes Blitzgerät, geladene Ersatzakkus & Batterien sowie zusätzliche Speicherkarten gehören ebenfalls in die Tasche. Ein Faltreflektor kann nützlich sein.

Je nachdem, was ihr fotografieren möchtet, kann die benötigte Ausrüstung schnell anwachsen. Bedenkt jedoch immer, dass ihr all das auch gut transportieren/tragen können solltet. Daher ist manchmal weniger mehr – und wie immer gilt: Die beste Kamera die ist, die ihr dabei habt.

Unterschiedliche Lichtsituationen

Sonnige Biergartenathmosphäre bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina Umlauf

Nicht immer herrschen perfekte Lichtsituationen und nicht immer ist der Einsatz von Blitzen erlaubt. Oft müsst ihr ausschließlich mit vorhandenem Licht (available light) arbeiten. Das heißt im Klartext: besondere Anforderungen an Sensor und Objektiv. Um in Situationen mit wenig Licht eine Belichtungszeit zu erzielen die das Motiv nicht verwackeln lässt, muss meist der ISO-Wert deutlich erhöht und die Blende weit geöffnet werden. Es gilt der Grundsatz, dass ein leicht unterbelichtetes Bild besser wirkt als ein unscharfes – insbesondere weil sich die Belichtung leicht im RAW-Konverter nachjustieren lässt.

Abenteuer Zip-Line bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina Umlauf

Wenn das Blitzen erlaubt ist, dann investiert für den Anfang in einen Systemblitz – dieser ist flexibel einsetzbar und in den meisten Fällen leistungsstark genug. Ist der Blitz neu, nehmt euch die Zeit um euch vor dem Event mit den Einstellmöglichkeiten des Geräts vertraut zu machen und macht Probeaufnahmen von irgendwelchen Gegenständen zu Hause. Schaut euch Leistung, Schattenwurf etc. an und überlegt, wann ihr welche Einstellungen nutzen könnt. Vermeidet auf alle Fälle, dies erst vor Ort herauszufinden, denn das führt nur dazu, dass ihr wichtige Momente verpasst und am Ende eventuell lange und frustriert mit den Einstellmöglichkeiten experimentiert ohne überzeugende Ergebnisse zu erhalten.

Zip-Line bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina UmlaufBeachtet unbedingt dass der Einsatz eines Blitzes auch die Lichtstimmung verändert. Gewollte Lichtinszenierungen des Events (wie z.B. eine abendliche Partybeleuchtung) können damit, genau wie gewollte Tiefe, verloren gehen. Im schlimmsten Fall verliert ihr an Atmosphäre – fortgeschrittene Blitztechniken wie zum Beispiel das entfesselte Blitzen auf den zweiten Vorhang bei einer langen Belichtungszeit können da zwar Abhilfe schaffen, benötigen aber meist etwas Übung und die Anschaffung weiteren Equipments wie das eines Fernauslösers und Empfängers für den Blitz oder eines zweiten Blitzes, sodass sich beide als „Master und Slave“ einsetzen lassen.

Überlegt, ob ihr einen Blitzvorsatz – Diffusor – verwenden solltet, denn dieser gestaltet das Blitzlicht weicher und ihr vermeidet harte Schatten. In Innenräumen ist auch das Anblitzen der hellen Zimmerdecke, eines weißen Blatts Papiers oder eines Reflektors eine mögliche Alternative. Das sorgt dafür, dass nur die Reflexion auf die Personen trifft und z.B. ein Spitzlicht in den Augen entsteht, die so wesentlich lebendiger wirken.

Achtet darauf, bei eurer Kamera den korrekten Weißabgleichsmodus einzustellen. Verwendet die Automatik wenn ihr Gefahr lauft, das Wechseln im Tagesverlauf zu vergessen. Natürlich ist das bei RAW-Aufnahmen alles nicht ganz so dramatisch, könnt ihr ja die Einstellungen später im RAW-Converter noch verändern.

Belichtungsmessung und Blendenwahl

Eine von Anfang an gezielte und korrekte Belichtung spart am Ende eine Menge Zeit bei der Bildbearbeitung. Klar, wer im RAW-Format fotografiert ist in der Bearbeitung erheblich flexibler, doch deutlich unterbelichtete Fotos in den relevanten Bildbereichen aufzuhellen führt fast unweigerlich zu einem gewissen Bildrauschen in den Details. Zudem verbringt ihr mehr Zeit vor dem Rechner mit der Anpassung einzelner Aufnahmen als es bei von Anfang an korrekter Belichtung notwendig wäre.

Mystical "Der Schlüssel" bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina Umlauf

Daher überlegt euch vorher nicht nur, worauf ihr fokussiert und den Schärfepunkt setzt, sondern auch, wie die Szene belichtet werden soll. Pauschale Empfehlungen kann man nur schwer geben, denn immer wieder gibt es Ausnahmen von der Regel. Zumeist eignet sich die mittenbetonte Messung eher für Überblickssituationen oder wenn ihr gleichmäßig ausgeleuchtete Details formatfüllend festhalten wollt. Doch bei starken Kontrasten, heftigem Gegenlicht oder gewollten Über- oder Unterbelichtungen großer Bildbereiche kann die Spotmessung wesentlich hilfreicher sein. Je häufiger ihr unterschiedlichste Lichtsituationen fotografiert, desto eher wisst ihr auch, wann ihr die Belichtung manuell nachjustieren müsst. Habt auf alle Fälle ein Auge auf eure Belichtungszeiten und sobald ihr in kritische (lange) Bereiche kommt, die ihr nicht mehr verwackelungsfrei halten könnt, erhöht den ISO-Wert oder nehmt ein Stativ oder sonstige Ablagemöglichkeit zur Hilfe.

Mystical "Der Schlüssel" bei der Photo+Adventure 2016, © Photo+Adventure / Tina Umlauf

Auch die Wahl der Blende ist ein wichtiges Mittel bei der Bildgestaltung. Sollen Überblicke geschaffen werden, wählt eine kleine Blendenöffnung (Blende 8 und höher), möchtet ihr Details herausstellen und gezielt die Aufmerksamkeit auf bestimmte Bildbereiche lenken, wählt eine relativ offene Blende. Beachtet dabei, dass je nach gewählter Brennweite und Abstand zum Motiv der Schärfebereich bei offener Blende kleiner oder größer sein kann.

 

Mehr zu diesem Thema lest ihr in unserem Blog im zweiten Teil zur Eventfotografie, in dem es um Perspektiven, Motive, Menge und das eigene Verhalten geht. 

 

Fotos: Tina Umlauf / Photo+Adventure

Die Autorin

Katrin Schmidt

Katrin Schmidt

Geschäftsführung, Messeleitung

Kauffrau, Hobby-Fotografin & Sportbegeisterte

Enthusiastische Hobby-Fotografin mit besten Kenntnissen in den Bereichen Vertrieb & Marketing. Am liebsten fotografiert sie auf Reisen rund um die Welt und in der Natur vor der Haustür, sodass sie schon mal bei Sonnenaufgang durch den Dreck krabbelt. Katrin ist kreativ, lustig und ihr Teekonsum kurbelt die Weltwirtschaft an.

Zuständig für: Organisation, Marketing, Rahmenprogramm & Kooperationen

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